Meine Jakobswegbibliothek


Collage, willkürliche Reihung 

yep, ich hab' die alle gelesen, sogar noch ein paar mehr. In den 5 Jahren zwischen dem Entschluss den Jakobsweg zu gehen und der Umsetzung. Was mit ein paar Bestsellern und ein paar Reiseführern begann, wurde während des Covid-19 Lockdowns zur Manie. Ich wollte alles wissen, wenn ich schon (noch) nicht dort sein kann, dann will ich jede Information darüber aufsaugen, die ich auftreiben kann. Ich hab nur noch Bücher über dieses Thema gelesen, mehr gelesen, immer mehr... und als ich dann endlich dort war, war klar: man muss das nicht alles wissen, aber für mich war es ein Weg die vielen Eindrücke entlang der 755km Weg einzusortieren und die Zeit zu nützen. Und hie und da durfte ich mein Wissen auch (in kleinen Portionen) teilen. Das wurde meist gerne angenommen und ich war überrascht, dass meist sehr junge Pilger mir gerne zuhörten und nachfragten. 

Das Wissen über die Geschichte des Weges stellt für mich die 4. Dimension dar

Nun teile ich hier meine Erkenntnisse, Erfahrungen, mein Wissen und meine Eindrücke über den Jakobsweg und darüber hinaus. Ultreya et Suseya!

Einige dieser Bücher werde ich hier noch im Detail vorstellen. 

Über meine Bibliothek

Die meisten Bücher besitze ich als Hardcopy, viele davon habe ich gebraucht über medimops.de oder andere Webshops erworben, manche waren auch nur über Antiquariate auftreibbar.
Obwohl ich nach wie vor Papier vorziehe, habe ich einige als E-Book oder als Hörbuch bei verschieden Online-Medien-Anbietern (Kindle, google-books, tolino, scribd, Audible, Spotify u.a.) konsumiert, ein paar auf anderen Plattformen im Internet, wie z.B.: archive.org, andere direkt über akademische Server bezogen. Einzelne sind auch kostenlos als pdf downloadbar. Ein, zwei Bücher, die ich verzweifelt gesucht habe und nicht auftreiben konnte, hab ich in der österr. Nationalbibliothek gelesen. 
Die Mehrheit der Bücher sind auf Deutsch verfügbar, viele habe ich auf Englisch gelesen/gehört, ein paar auf Französisch und einzelne auf Italienisch bzw. Spanisch. Ein, zwei habe ich sogar auf Holländisch entziffert.

Deutschsprachige Autoren

Es gibt sehr viele Bücher von deutschen Autoren, nicht nur von Hape Kerkeling, es gibt auch ausgewiesene Jakobsweg Spezialisten wie die Herren Klaus Herbers, Robert Plötz, Andreas Drouve,  Reimund Joos mit der Outdoor-Reihe und natürlich jede Menge Pilgerberichte von deutschsprachigen Pilgern. Der erste deutschsprachige Reiseführer stammt aus 1495 vom edlen Herman Küng von Vach, davor berichteten die Herren Rieter, Sebald Ilsung, Arnold von Hauff und Hieronimus Mütntzer ebenfalls eindrücklich vom Pilgerweg nach Santiago. Johann Wolfgang von Goethe wird das Zitat zugeschrieben:  "Europa ist aus der Pilgerschaft geboren, und das Christentum ist seine Muttersprache."  Auch aus Österreich gibt es sehr lesenswerte Jakobswegliteratur, im 17.Jhdt. verfasste Pater Guntzinger einen beachtenswerten Pilgerberricht von Wiener Neustadt nach Santiago und zurück, in den 1970ern gibt es einen schönen Pilgerbericht vom  Linzer Rudolf Gruber, ende der 1990er berichten Reiseautor René Freund und Eveline Knyz, die direkt von Wien unterwegs war. Als mehrfacher Jakobsweg Autor von Guides und (historischen) Pilgerberichten sei Peter Lindenthal genannt. Aus der Schweiz  sei Hans Aebli mit dem frühen Pilgerbericht „Santiago, Santiago“ (1990) erwähnt.

Englischsprachliche Jakobswegliteratur

Freilich sind eine Vielzahl der Bücher auf Englisch aus UK und USA, auch historische Pilgerberichte. Im 15. Jhdt. gab es Purchas und William Wey, im 16. Jhdt. Andrew Boorde, im 19. Jhdt. lieferte Robert Southey einen interessanten Essay, George H. Borrow schrieb über "The Bible in Spain" und Richard Ford ein "Handbook of Spain". Es waren sogar Amerikanische Autoren die sich Anfang bis Mitte des 20. Jhdts. mit dem Thema beschäftigten und echte Pionierarbeit geleistet haben, wie Giorgiana Goddard-King, Bestsellerautorin Edith Wharton und Reiseautor James A. Mitchener (1968) und der Codex Übersetzer Walter Muir Whitehill (1944).  Der irische Hispanist Walter Starkie (1957) machte Spanien und den Jakobsweg zu seiner Lebensaufgabe und publizierte eines der ersten modernen Kompendien über den Camino. Englische Pilger, die Berichte verfassten gab es schon im Mittelalter, wie die "verrückte" Margery Kempe, im 18.Jhdt. bereiste Richard Ford die verschiedenen Routen Spaniens und berichtete ausführlich davon. Als moderne anglophile "Pioniere" sind beispielsweise Edwin Mullins (1971), Edward Stanton (1985), Jinni Fiennes (1986), Laurie Dennet (1987), der britische John Brierley, der sich auf Reiseführer für sämtliche Jakobswege etabliert hat (ab 2003). Jack Hitt (1994), lieferte die Vorlage für Martin Sheens Film "The Way“, Fernwander-Journalist Keith Foskett (2010), und auch Hapes' Pilgerfreundin Anne Butterfield schrieben Jakobswegbücher. Der jüdische Literaturkritiker des "The New Yorker", Gideon Lewis Kraus pilgerte in die "irgendwie richtige Richtung" (2012) und gleich weiter zu diversen anderen Pilgerzielen rund um die Welt, nach Santiago begleitete ihn Writer's Guild Award Gewinner Tom Bissel, der ein interessantes Buch über die Apostelgräber weltweit schrieb. Nicht zu vergessen Hollywoodstars New Age Autorin Shirley MacLane (2000) und die "Ratpacker" Andrew McCarthy, der den Jakobsweg zwei Mal beging und beschrieb, und Emilio Estevez mit Vater Martin Sheen (dessen Vater einst aus Galizien in die USA ausgewandert ist). Ernest Hemingway verbrachte viel Zeit am und um den Jakobsweg und ließ seine Erinnerungen in diversen seiner Schriften einfliessen. Der kürzlich verstorbene britische Bestsellerautor David Lodge verarbeitet seine Pilgererfahrung in "Therapy" (1995).

Französische Jakobswegbücher

Frankreich, durch das die vier großen Jakobs-Zuwege führen, hat freilich auch viel zur Erforschung und Bekanntmachung des Jakobsweges beigetragen. Vom ersten Jakobswegführer im Liber Santci Jakobi aus dem 12. Jhdt., vermutlich verfasst vom frz. Gelehrten Aimeric Picaud als früher „Ghostwriter“ von Papst Calixt II. Einige "prominente" historische Pilger wie Jean Tournai (1488) und im 18. Jhdt. Jean Jean Bonnecaze (aus Sicht eines einfachen, mittellosen Pilgers), Guillaume Manier, Nompar de Caumont, und Jean Pierre Racq. Pioniere der modernen Jakobswegliteratur wie Jeanne Viellard mit der ersten Codex Übersetzung aus dem Lateinischen (1936), ab den 1950ern René de la Coste Messelière der u.a. auch zur Kartographie der Jakobswege Europas beitrug, Yves Bottineau (1987), Pierre Barret und Jean Noel Gurgant (1982) und der Herausgeber der beliebten, jährlich aktualisierten Reiseführer Miam Miam Dodo (seit 2000, seit 2023 auch auf Dt.), Jacques Clouseau. Alternative Jakobswegliteratur lieferten Louis Duchesne, er brachte erstmalig Priszilian von Avila ins Spiel, Louis Charpentier (1971) beschäftigte sich mit der mystisch esoterischen Seite des uralten Pilgerwegs und Henri Vincenot versetzte sich in die Zeit des Initalweges der Steinmetze am Jakobsweg im Mittelalter. Aktuellere Literatur lieferten beispielsweise Chemin de Compostelle Fachautorin Denise Picard-Méa, Pilgerberichte Alix de Saint André, und eine publizierte Diplomarbeit von Michèl Soulet, mit besonderer Betrachtung des Einflusses des Internets auf den modernen Jakobsweg.

Italienische Camino-Literatur

Dem Urvater der italienischen Literatur, Dante Alighieri verdanken wir die erste Definition des "Jakobspilgers" als den wahren Pilger ("Vita Nova" 1293 "la casa di Galizia ove si trovava la sepoltura di Sa' Jacop...peregrini in senso stretto"). Frühe Berichte italienischer Sntiago-Pilger lieferten Francesco Picardi (1472), im 16. Jhtd. der neugierige "Peregrino curioso", allen voran aber Domenico Laffi (1666), ebenfalls im 17. Jhdt. zudem niemand geringer als Cosimo Medici III, und im 18. Jdt. reich bebildert, Nicola Albani, Pater Giacomo Antonio Naia und Gianlorenzo Buonafede. 
In der modernen Jakobswegforschung ist Caucci von Saucken höchst angesehen und hat in den 1990ern auch auf deutsch einige prunkvolle Bildbände herausgebracht.

Spanische Camino-Bücher

Spanien selbst hat selbstverständlich eine Unzahl Literatur zum Camino de Santiago hervorgebracht. Neben zahlreichen historischen Schriften, Codices und Legenden (z.B.: Berceo, Beato von Liebana etc.), Miguel Cervantes’ „Don Quichote“ traf auf Pilger und verlieh dem politisch mißbrauchten, streitbaren Jakobus den Titel „Matamoros“.  Im 17. Jhdt. Francisco Quevedo zum Patronat Jakobus’ d. Ä., im 19. Jhdt. Lopez Ferreiro, Miguel Unamuno, Gabriel Garcia Lorca widmete Santiago ein Gedicht, Fray Justo Perez de Urbels kritische Betrachtung des Jakobskultes, Americo Castro, Codex Übersetzer Moralejo, Luis Vazquez de Parga über die Jakobsweg Kunst und Architektur, Claudio Sanchez Albornoz, der sich Gedanken zur Translation Jakobus’ machte. Allen voran Wegbereiter der Wiederbelebung des Weges Elias Salina Sampedro, er „erfand“ und pinselte die ersten gelben Pfeile entlang der neu belebten Wege, seinen Guide führte Milan Bravo Lozano weiter. Alvaro Cunqueiro widmete sich Mitte des 20. Jhdts. ausführlich den verschiedenen Jakobswegen in Spanien. Pedro Echevarria Bravo verfasste ein umfangreiches Verzeichnis der Santiago- Pilgermusik und forschte zu den Originalinstrumenten, wie sie im Portico der Kathedrale dargestellt sind. Pedro Maria Gutierrez Eraso beschäftigte sich mit den Pilgertypen quer durch die 1000 Jährige Geschichte der Jakobswegpilgerschaft. Jose Antonio de la Riera gehörte ebenfalls zu den Pionieren der modernen Camino-Belebung, er war auch der Mentor vom Basken Anton „Boltix“ Gonzalez Gabarain, dessen leidenschaftlicher Pilgerbericht mich besonders berührt hat. Fernando Lalanda schuf eine sehr interessante kleine Buch-Reihe zur neueren Geschichte des Jakobswegs und seinen Bezug zum Gänsespiel, um nur einige Beispiele herauszugreifen. 

Pilgerberichte aus all(t)er Welt

Es berichten bereits zu Beginn der Santiago-Pilgerschaft arabische Autoren Ibn Dihya über eine normannische Pilgerdelegation (844) und Al Gazel spricht von Santiago als einem "Christlichen Mekka" (850),  Almacari zeigte sich in seinem Bericht über die Eroberung Santiagos beeindruckt vom weiten Einzugsgebiet der Santiago-Pilger "bis zum koptischen Meer" (997) und Ali Ben Jusuf beschreibt eindrücklich die Massen der Pilger in Santiago (1121). Al Idrisi stellt Santiago als eines der größten Pilgerzentren in seiner Mapa Mundi Weltkarte (1134) dar. 
Um 1100 monierte ein griechischer Bischof "Estiano" die Santiago-Matamoros Darstelling in seinem Pilgerbericht. Von 1300 gibt es das isländisches Epos "Hrafn Saga", das von einer Pilger-Seefahrt nach Santiago berichtet.
Der böhmische Baron Lev Rozmital de Blatna unternahm eine militärische Exkursion durch Europa, die ihn auch nach Santiago führte, wie in seinem ausführlichen Bericht, bzw. dem seines Sekretärs Tetzel zu lesen ist (1465). 1611 pilgerte und berichtete Jakub Sobieski, der Vater von König Jan III Sobieski von Polen, welcher Wien gegen die Türken verteidigte.
Cees Noteboom (1990) widmete ein umfassendes Werk dem Weg und Umweg nach Santiago. Interessante Bücher aus der frühen Jakobsweg-Wiederbelebung aus den Niederlanden: Hans Annick (1977), Herman Vuijsje (1989) u.a.
In China, Taiwan, Südkorea soewie Japan (welches selbst eine ausgeprägte Pilgerkultur seit jeher pflegt) ist der Jakobsweg mittlerweile extrem polulär, viele internatioal erfolgreiche Jakobswegbücher bzw. Guides sind bereits in diesen Sprachen erschienen, wie bspw. Hapes "Ich bin dann mal weg" und Nancy Freys "Pilgrim Stories" (Korean.) und bestimmt auch von lokalen Autoren, die ich (noch) nicht kenne.

Der Urknall der modernen Jakobswegliteratur

Paulo Coelho, aus dem fernen Brasilien brachte mit "Am Jakobdsweg" (1986)  am Sternenpfad Spaniens so einige Steine ins Rollen.

Der Jakobsweg führt quer durch alle Genres

Meine "Bibliothek" umfasst historische Pilgerberichte, Kompendien, historische, kunstgeschichtliche und anthropol. Fachliteratur, Dissertationen, zeitgenössische Pilgerberichte, diverse Reiseführer, Romane (Mathilde Asensi, David Lodge, Henri Vincent, Toti Lesea u.a.), bis hin zu Kinderbüchern (Hühnerwunder, Milchstrasse), Graphic Novels und Comics (sogar Asterix wandelte am Jakobsweg in Spanien!), Pilger-Kochbücher, Gebets- und Liederbücher (Grandes Chanssons des Rosignols, Marias Cantigas, Dum Pater Familias, Wer das Elend bauen will etc.), Jakobsweg Lexika, Bildbände und natürlich auch Auszüge aus der Bibel, alternativen Evengelien, Gospeln und Apokryphen, Codices, Minnegesängen (Chansons de Geste wie z.B. das Rolandlied, El Cantar del mio Cid,  La Preciosa, Oswald von Wolkenstein), Gedichte, Legenden und Sagen, päpstliche Schriften und Reden (Johannes Paul II anläßlich des Papstbesuchs im hl. Jahr 1982), Verträge der EU (zum Jakobsweg als erste europäischen Kulturroute, 1987) und auch kritische Betrachtungen protestantischer (Luther, Erasmus von Rotterdam, Geiler von Keysersberg etc.) und moderner Philosophen und Sozialkritiker sowie jede Menge weiterführende Literatur, die nur wenig mit dem Jakobsweg an sich zu tun haben (Zitate zum Thema - darunter Dante, Cervantes, Goethe, Hemingway, Malle, Claudel, Proust, Tucholsky und Simone de Beauvoir).

Frauen am Jakobsweg

Bemerkenswert ist, dass erstaunlich viele Frauen, sogar schon sehr früh am Camino gepilgert sind und wesentliche Literatur darüber hervorgebracht haben. Im Mittelalter, neben der bereits erwähnten Margery Kempe, sogar Königinnen und Heilige wie hl. Brigitta von Schweden, Maria von Burgund (1441) und HRR Kaiserin Mathilde von England (1125), Grafin Richardis von Sponheim (1056), Gräfin Sofia von Holland (1170), "eine Bessessene" aus Köln (1170), die adelige Mathilde Artois de Mauhaut ließ immerhin Stellvertreter für sich pilgern (13/14.Jhdt.). Jeanne Vieillard war die Erste die den Codex Calixt (Jakobsbuch) aus dem Lateinischen übersetze (1936, ins Französische) und die Forschung zum Pilgerpfad in Gang setzte. Schon in den 1920er Jahren war die amerikanische Professorin Giorgiana Goddard-King mehrfach am Jakobsweg unterwegs und hat ein sehr fundiertes Kompendium in drei Bänden, sowie einen Bildband mit Edith H. Lowber veröffentlicht, die Fotografin Ruth Anderson ebenfalls. Die Bestsellerautorin ("Zeit der Zärtlichkeit") Edith Wharton hat den Camino besucht und darüber geschrieben, wie auch Andre Corthis (Andrée Madeleine Husson), damals unter einem männlichen Pseudonym. In den 1980ern folgten Ralph und Joseph Fiennes' Mutter Jinni Fiennes (Jennifer Lash), die Anthropologin Elyn Aviva Feinberg, Laurie Dennet, die sich auch gleich am Weg niederließ, ebenso wie Anthropologin Nancy Frey, Journalistinnen Rebekah Scott, Tracey Saunders und Beebee Bahrami.
Hollywoodstar Shirley MacLane gehört mit zu den Auslösern des neuen Camino-Hypes. 
Viele weitere Autorinnen folgten am Jakobsweg, aufzuzählen wären: Ratgeber Queen Sonia Choquette, Vogue Autorin Kathy Harrison, Journalistin Jane Christmas, die Pastorin Joyce Rupp, Single Pilgrim Rosemary Mahoney, Wiederholungspilgerin Beth Jusino, die bereits erwähnte österr. Fernwanderin Evelin Knyz, dt. Jakobsbruderschafts-Schwester Elisabeth Afernik, Elisabeth Klose aus der Sicht der Hospitalera und viele andere. Und nun ich selbst auch noch…

Einige dieser Bücher werde ich hier noch genauer vorstellen. Es gibt viel zu erzählen über den Jakobsweg und darüber hinaus... Ulreya!

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