Book-Club Thursday: Jack Hitt "Off the Road"
"Off the Road: A Modern-Day Walk Down the Pilgrim's Route into Spain" von Jack Hitt (1993)
verfügbar als Hardcover, Taschenbuch (272 seiten), E-Book und Hörbuch, in Englisch
Eines meiner Jakobsweg-Lieblingsbücher, ein Pilgerbericht vom preisgekrönten US-Jounalist Jack Hitt (Harper's Bazar, The New York Times Magazine, Outside Magazine, Rolling Stone, Wired u.a.), er pilgerte 1991 zum ersten mal den Jakobsweg, zehn Jahre später ging er die 790km (500 Meilen) noch einmal, mit seinen beiden Töchtern.
Das Buch liest sich sehr kurzweilig, pointiert geschrieben schildert er schonungslos ehrlich von seinen Umwegen, Abwegen und Einsichten und liefert reichlich Anekdoten aus dem Pilgeralltag und fundiertes Wissen über die Geschichte rund um die Sternenstraße nach Santiago.
Er begab sich zu einer Zeit auf den Weg, 1991, als die Pilgerroute gerade erst wiederentdeckt und der Camino neu erfunden wurde. Er begegnete vielen Wegbereitern des modernen Jakobsweges, vom "Erfinder der gelben Pfeile", engagierten Bürgermeistern, idealisten Herbergsvätern, einfühlsamen Priestern, Marketinggurus und herzlichen Labstellenbetreiberinnen. Er tritt in die Fußstapfen all derer die vor ihm nach Santiago pilgerten: Königen, Heiligen, Legenden, Künstlern, Päpsten und neuzeitlicher Celebrities, wandelt entlang rauher Wege, findet urige Plätze und erlebt den ursprünglichen Charme des Camino. Die Anekdoten und Erkenntnisse dieser Begegnungen und Entdecken magischer Orte, machen den 20 Jahre alten Pilgerbericht so interessant.
Nicht so sehr religiös aber sehr interessiert an der Tradition des tausendjährigen Weges, um seine beginnende Midlife Crisis abzupuffern macht er sich auf. Auf seinen Weg. Nach seinen Regeln.
"More than anything else, I needed a long walk"
Aber wo losgehen? Als New Yorker besucht er "The Cloisters", eine Aussenstelle des Metropolitan Museums, wo Versatzstücke mittelalterlicher europäischer Klöster Amerikanern romanische Architektur und mittelalterliche Kultur näher gebracht wird. Er läßt die alten Mauern auf sich wirken und fühlt sich vom Kreuzgang des Klosters St. Guilhem le Desert angezogen. Genau da möchte er seinen Pilgerweg beginnen. Vor Ort versucht er schließlich das original Kloster zu finden und es stellt sich heraus: es befindet sich heute in New York*, in St. Guilhem steht nur noch eine Ruine.
Vorbereitung ist Alles oder "The Camino happens, while you are busy planing your Pilgrimage"
Was trägt so ein Pilger? Der mittelalterliche Durchschnittspilger ging direkt vom Bettpfosten los und führte nur einen Wanderstab, eine Kalebasse, einen Pilgerhut und einen simplen Beutel mit dem Nötigsten mir sich. Jack läßt sich vom Outdoor-Spezialisten seines Vertrauens ausstatten.
Nach dem Fehlstart in St. Ghuilhem geht es erstmal per Taxi ein paar Etappen weiter am Camino Frances. Dort ist der Weg steinig, es regnet und überhaupt ist die Motivation im Keller. Schlußendlich macht er einen Neustart im frz. Pyrenäendorf "St. Jean Pied de Port", dem klassischen Anfangspunkt des Camino Frances.
Die erste "Prüfung" besteht darin die "Torwächterin" des Pilgerweges davon zu übrerzeugen, dass er ein "echter Pilger" ist und seine Beweggründe strikt religiöser Natur sind.
Er lernt den Pilgeralltag mit all seinen Herausforderungen, Verirrungen, Blasen, schnarchenden Mitpilgern in den Schlafsälen der Herbergen, dermWettlauf um das Pilgermahl und einem warmen Schlafplatz, einsame Pfade mitten im Nirgendwo und existenzielle Fragen wie:
"Am I a real Pilgrim - who is?" - "Wer bin ich?" und
"Warum tue ich mir das an?"
Irgendwann findet er seinen Rhythmus, seine "(Hippie-) Pilgerfamilie" und sich selbst. Die Ankunft in Santiago de Compostela" ist emotional, euphorisch und überraschend befriedigend.
Er absolviert die üblichen Rituale in und um die Kathedrale, wie so viele Pilger vor ihm in der tausendjährigen Geschichte der Jakobspilgerschaft. Der Übergang vom Pilger zum Touristen und die Rückkehr in den Alltag fühlt sich nach wochenlangem Schritttempo wie "Fast Forward" an, und es folgt die Einsicht: der wahre Weg beginnt in Santiago.
"What we call the beginning is often the end
And to make an end is to make a beginning."
"We shall not cease from exploring,
and the end of all our exploring
will be to arrive where we started
and know the place for the first time."
(from "Little Gidding" by T. S. Elliot")
Ein Klassiker aus den Anfängen des Jakobswegbooms, vor Allem im englischsprachigen Raum, insbesondere für alle, die weder „Pietatis causa“** noch „esoterisch“*** unterwegs sind.
Das Buch animierte viele Amerikaner den Weg zu gehen und inspirierte zum Kinofilm "The Way" (Deutsch "Dein Weg").
Ultreya ! E Suseya!





