Movie Friday: "Brüder III - auf dem Jakobsweg" (AUT, 2005, deutschsprachig)
erhältlich als DVD und im Stream (Deutsch)
Drehbuch: Uli Bree & Rupert Henning
Regie: Wolfgang Murnberger
DOR Film + ORF Enterprise in Kooperation mit ARTE
TV-Erstausstrahlung ORF 2006
"Brüder III "ist der 3. Film der Film-Trilogie mit Andreas Vitasek, Erwin Steinhauer und Wolfgang Böck, und ein weiterer meiner Camino-Lieblingsfilme. Der österreichische Film ist der erste deutschsprachige Jakobsweg-Film und neben „La Mecque - Pilgern auf Französisch“ der erste moderne Film der am Jakobsweg spielt.
Die drei Stadler-Brüder Ludwig, Ernst und Adrian stecken in der Krise. Ludwig laboriert an seiner Gesundheit, Ernst ist mit dem Gesetz in Schwierigkeiten geraten. Adrian trauert um seinen Ex-Partner und befindet sich in einer Sinnkrise. Er möchte den Jakobsweg gehen um sich selbst zu finden und bereitet alles für seinen Aufbruch vor. Seine Brüder missverstehen Adrians Ambitionen sein Leben zu ordnen und denken er möchte seinem Leben ein Ende setzen. Ludwig folgt ihm daher nach Spanien, mit völlig unzulänglicher Ausrüstung. Schließlich reist auch Ernst im Taxi und mit großem Gepäck an, er ist auf der Fluch vor der negativen Presse.
Während Adrian voll motiviert ist, müssen die beiden anderen erst verstehen, was es bedeutet zu pilgern. Gemeinsam begehen sie den Weg der Wege. Ludwig ist recht unfromm unterwegs und völlert sich durch Spaniens Küchen. Ernst muß erstmal Ballast abwerfen und tauscht den weissen Anzug gegen die adäquate Ausrüstung für die Fernwanderung. Der Pilgeralltag ist hart, Blasen, Schüttregen, primitive Unterkünfte, schlechte Betten und lautes Geschnarrche heißt es zu ertragen. Umwege, Entbehrungen und Streitigkeiten machen es nicht einfacher. Ludwig ereilt die Strafe für seinen ungesunden Lebenswandel und die Überanstrengung der letzten Tage und landet im Krankenhaus. Nach ein paar Tagen holt er seine Brüder wieder ein - im malerischen Dörfchen Reliego de Ambros (wie der Jakobsweg-Alumnus sofort erkennt).
Sie treffen den betagten Mitpilger Ari (Dolf de Fries) der direkt zu hause in Holland gestartet ist und sich bewußt ist, dass das Leben und sein Weg endlich ist. Der weise Ari versorgt die Drei mit Informationen, Tipps und Proviant und bringt ihnen die Jakobsweg-Philosophie näher. Schließlich finden sie in den "Camino-Flow", geniessen die atemberaubende Landschaft, pittoreske Dörfer, lernen die Kultur und Geschichte des tausendjährigen Weges und philosophieren sich bis nach Santiago. Sie absolvieren die üblichen Rituale - Compostela-Urkunde abholen, den „Pilger-Schuhplattler“ am Portikus der Kathedrale und bestaunen den Botafumeiro, das riesige Weihrauchfass, das quer durch das Kirchenschiff schwingt. Ihr Pilgerfreund entschläft derweil mit einem Lächeln, er ist angekommen, er hat sein Leben gelebt und geht in Frieden.
„Wenn du 75 wirst, mußt du damit rechnen dass du nicht 76 wirst“ (Ari)
Die Brüder beschließen weiter nach Muxia zu gehen, denn dort ist das wahre Ende des Weges. Sie sind angekommen und haben sich und zueinander gefunden.
Die Drei stehen auf den Klippen und schauen aufs Meer:
Adrian: „Früher hams glaubt, dass da hinter dem Horizont überhaupt nix mehr ist. Nur mehr Wasser. Finisterre - das Ende der Welt“.
Wickerl fragt „und was is heut’ dort ?“
Ernst: „Amerika!“.
Wickerl: „san a nur Menschen“
Ernst verzieht die Mundwinkel.
Adrian: „was is, gemma wida ham?“
Der Film mit typisch österreichischem Charme ist insgesamt sehr stimmungsvoll, philosophisch, gemütlich und wird untermalt von der launigen Musik Otto Lechners. Gedreht wurde an diversen original Schauplätzen wie Portomarin, Acebo, Reliego de Ambros, Monte de Gozo, Santiago de Compostela und Muxia.
Regisseur Wolfgang Murnberger wurde 2007 für „Brüder III“ mit der „Romy“ für den besten TV-Film ausgezeichnet und die drei Hauptdarsteller Steinhauer, Böck und Vitasek, erhielten den Sonderpreis für herausragende darstellerische Leistungen beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden 2006.












