Bookclub-Thursday: "Walking with Sam" (Andrew McCarthy, 2023, English) und "The Longest Way Home" (2012)

 "Walking with Sam - 
a Father, a Son, and Five Hundred Miles across Spain"



„The Way“-Macher Emilio Estevez wurde in den 1980ern ( meine Jugend!) als Darsteller in diversen Teenie-Filmen bekannt und gehörte zum sogenannten „Brat-Pack“ - den populärsten Jung-Hollywood-Film-Schauspielern der 80er. Ein weiterer Brat-Packer ist Andrew McCarthy (er hat sogar ein Buch über das Phänomen geschrieben mit jeder Menge Anekdoten aus der Zeit). 

Emilo Estevez und Andrew McCarthy am Set von "St. Elmo's Fire" 1985, und aktuell. 
(Screenshot, Instagramm, Andrew McCarty, 13.10.2026)


Gemeinsam spielten sie in „St. Elmo’s Fire“ (1985, Regie: Joel Schumacher, mit Rob Lowe, Demi Moore, Judd Nelson, Ally Sheedy, Mare Winningham, Andy MacDowell und Emilio Estevez und Andrew McCarthy). Wie Emilio arbeitet auch Andrew McCarthy heute vor allem als Regisseur ("Orange is the New Black") . Emilio schreibt auch Drehbücher und Andrew McCarthy und schreibt für das „National Geographic Traveller’s Magazine“. Beide haben den Camino für sich entdeckt und künstlerisch verarbeitet. Beide kamen ihren Söhnen unterwegs näher.

Bevor seiner Karriere als Autor, entdeckte McCarthy das Reisen erstmal für sich selbst. Initialzündung dafür war der Jakobsweg, den er 1995 beging, ebenfalls von Jack Hitt’s „Off the Road“ dazu animiert. Das Buch hatter eher zufällig erworben und erst viel später gelesen. Das war dann die richtige Idee zum richtigen Zeitpinkt. Er rief Jack Hitt direkt an um weiter Informationen und Tipps zu bekommen und machte sich umgehend auf den Weg. Er war am Beginn des neuen Camino-Booms als „Gold Card Pilgrim“, wie er sich selbst bezeichnete unterwegs. 

Es folgten ausgedehnte Reisen nach Patagonien, an den Amazonas, auf den Kilimanjaro, Costa Rico und Europa. Er lebte sogar einige Zeit in Wien mit seiner Familie. Schließlich entdeckte er seine Leidenschaft fürs Schreiben, zuerst Artikel übers Reisen in verschiedenen Zeitungen und Magazinen. Schließlich fasste er seine Reisegeschichten in seinem ersten Buch „The Longest Way Home“ zusammen:

„The Longest Way Home - 
One Man’s Quest for the Courage to Settle Down“

 (2012, Englisch)



Kritiker verglichen das Buch mit Elizabeth Gilberts "Eat, Love, Pray". Er berichtet pointiert von seinen Reiseabenteuern und läßt dabei tief in seine innere Reise (zu sich selbst) blicken. Das Buch wurde zum Bestseller, in der Presse gepriesen (u.a. „The New York Times“) und gewann Preise als Travel-Writer.

In diesem ersten Buch erzählt er von seinem ersten Jakobsweg. Jack Hitt’s Pilgerbericht sprach ihn sofort an und der Camino war die Antwort auf seine Fragen in einer Krise. Er war auf der Suche nach Abenteuer, nach „echten“ Erlebnissen und neuen Einsichten. Er ging allein, traf Menschen und begegnete sich selbst, nachdem er die typischen Leiden der Pilger durchmachte. Blasen, falsche Schuhe (er tauschte schwere Wanderschuhe gegen Trailrunners), die Sprachbarriere, die Schafsaal-Hölle ebenso wie einsame Hotelzimmer, die Hitze in der Meseta, wilde Hunde und seinen inneren Dämonen. 

„We must travel in the direction of our fears“ (John Berryman, 1942)

In Castrojeriz fand er die „Erlösung“ von aufgestauten Ängsten.

„Soon my entire body felt as if it were vibrating. I felt physically larger, as if I had grown  - or was  growing.“

„The next two weeks went by in a blaze. Every step took me deeper into the landscape of my own being. I was in sync with the universe.“ … „I grew stronger each day, and by the time I strode into Santiago in late July I felt the way I always wanted to feel yet somehow never quite did“.

„Travel can change your life“. 
„Through travel, I began to grow up“ 
„I am a better version of myself when I travel“

2021 machte er sich noch einmal auf den Weg. Diesmal mit seinem Sohn Sam:

Screenshot amazon.ca

"Walking with Sam - A Father, a Son and Five Hundred Miles Across Spain"

Andrew McCarthy, 2023 Grand Central Publishing, Hachette Group (English)
vefügbar als Hardcopy, Paperbook, und e-book 
 als Hörbuch von McCarthy und seinem Sohn Sam selbst gelesen 
und Spanisch "Caminando con Sam" 

Andrew McCarthy kehrt zurück auf den Jakobsweg, im „heiligen Jahr“ 2021, mitten in der Covid-Pandemie. Der 18-jährige Sohn kommt freiwillig mit, es war sogar seine spontane Idee. Er muß seinen Liebeskummer überwinden. 

Screenshot aus dem E.Book 
"Walking with Sam - A Father, a Son  and Five Hundred Miles Across Spain" 

Sie durchlaufen die berühmten 3 Phasen der Heldenreise Jakobsweg: 
der Aufbruch - die physische Challenge (St. Jean pied de Port bis Burgos), 
die psychische Challenge - die innere Reise zu sich selbst (Meseta, Burgos bis Leon), 
die Wiedergeburt und Ankunft (Leon bis Santiago de Compostela):

In den ersten Tagen, mit den ersten Herausforderungen zweifelte Sam ob dies eine gute Entscheidung war, in Pamplona wollte er abbrechen. 

„Mal Camino“

Sie reden, sie streiten, sie gehen auf Abstand, sie finden einander wieder, sie philosophieren über Gott und Welt, das Leben, die Liebe, Karrieren, lernen einander wirklich kennen und lernen auch voneinander.

„All we are doing is walking“

Im Stile eines „Travel log“  (ein Zwischending aus Reisetagebuch und Logbuch) erzählt er von Begegnungen, Stolpersteinen und kulinarischen Höhenflügen. Es läuft sich entspannter, man kann die Landschaft, die Architektur und die Gesellschaft aus aller Welt geniessen. Je näher sie ans Ziel kommen, desto überzeugter ist auch Sam, dass der Weg doch zu was führt. Er könnte sogar noch ein Monat weiter wandern. Trotz der Pilgermassen auf den letzten 100km möchten sie das Ende immer mehr verzögern.
Und am Ende sind beide doch angekommen, im Hier und Jetzt, bei sich und in ihrer Vater-Sohn Beziehung. Und im Alltag. Grantige Barkeeper, Verbote, Regeln, verschlossene Türen, und die Frage: “was passiert danach?“.  Es ging aber immer nur um den Weg, nicht das Ziel. 
Sam geht weiter nach Finsiterre, in zweit Tagen geht’s zurück nach USA. Das Leben geht weiter.

„Ten out of Ten“

Andrew McCarthy bemerkt auch die Veränderung des Weges seit seinem ersten „Spaziergang“ durch Nordspanien. Es hat sich viel verändert, mehr Leute, bessere Infrastruktur, viel kommerzieller. Die Erfahrungen sind anders, aber der Effekt auf das eigene Leben ist immer noch groß.  
McCarthy webt Geschichten und Geschichte vom Weg, seinen Helden und Monumenten leichtfüssig in sein Reisetagebuch mit Sam. Im Buch enthalten sind auch viele private Fotos von ihrer gemeinsamen Reise, auf seinem Instagram-Account postete er sogar “live“ regelmäßig Impressionen und Einsichten des Tages. 
Ich hatte gehofft, dass er ein Buch darüber schreiben würde und konnte es kaum erwarten. Nur wenige Wochen bevor ich das Abenteuer „Camino“ selbst anging war das Buch erschienen und ich habe es als besonders kurzweilig, philosophisch und unterhaltsam verschlungen. Und es mir dann nochmal als Hörbuch gegeben, die Geschichte nicht nur in eigenen Worten sondern auch mit der Original Stimme des Autors (und Schauspielers) zu hören, inklusive der launigen Einwürfe des Sohnes war ein Fest! Und die perfekte Einstimmung auf meinen eigenen Weg!
Ein originelles Buch über den Jakobsweg, aus einer anderen Perspektive, der eines Vaters und eines Sohnes. Eines Wiederholungspilgers und seinem Junior. Eines meiner Lieblingsbücher!

Collage
Screenshot, Instagramm, Andrew McCarty, (13.10.2026)

Inzwischen ist Sam den Camino noch einmal, alleine gegangen und kürzlich auch die Tochter Willow nach 500 Meilen Fußweg in Santiago angekommen und das Buch auf Spanisch übersetzt.
Der Weg geht weiter und immer weiter und erreicht auch kommende Generationen. 

Ultreya!

Screenshot, Instagramm, Andrew McCarty, (13.10.2026)


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